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Studiengänge

Jura - Inhalte, Studienmöglichkeiten und Perspektiven

Das Jurastudium gehört zu den gefragtesten Studiengängen in Deutschland. Es eröffnet mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens den Zugang zu den angesehenen Berufen Anwalt, Richter oder Notar.

Was ist ein Jurastudium? – Ein Kurzprofil

Das Fach Jura, eigentlich Rechtswissenschaften genannt, gehört in Deutschland zu den beliebtesten Studiengängen. Es schließt mit einem Staatsexamen ab, das Dir ermöglicht als Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt tätig zu werden. Auch die Abschlüsse Bachelor und Master sind möglich, häufig in Kombination mit Wirtschaft. Damit arbeitest Du dann meist in der Rechtsberatung.

In diesem Video erklärt die Dekanin der Juristischen Fakultät der Uni Köln das Jurastudium:

Voraussetzungen des Jurastudiums

Ein Jurastudium mit Staatsexamen ist ausschließlich an Universitäten möglich. Die Zugangsvoraussetzungen hierfür sind das Abitur oder die fachgebundene Hochschulreife. Im Bundesland Brandenburg kannst Du auch mit der Fachhochschulreife ein Examensstudium der Rechtswissenschaften aufnehmen. Für rechtswissenschaftliche Bachelor- oder Masterstudiengänge an Fachhochschulen kannst Du Dich wie gewohnt mit der Fachhochschulreife einschreiben. Dort ist unter Umständen auch der Zugang für beruflich Qualifizierte ohne Hochschulreife möglich.

Zulassung zum Jurastudium

Die Zulassung zum Jurastudium ist an einigen Hochschulen durch einen Numerus clausus (NC) beschränkt. Das bedeutet, dass Du eine bestimmte Abschlussnote im Abitur benötigst, um dort zu studieren. Der NC entsteht jedes Semester neu und richtet sich nach der Menge an Bewerbern: Ist der Andrang hoch, steigt auch der NC des Jurastudiums.
Anhand dieser Tabelle kannst Du den NC für das Jurastudium einschätzen. Beachte jedoch, dass er sich jedes Semester ändert.

Hochschule NC Sommersemester 2011
FU Berlin 2,3
HU Berlin 1,6
Uni Bielefeld 2,2
Uni Bochum 1,9
Uni Bonn 2,3
Uni Bremen 2,5
Uni Düsseldorf 1,7
Uni Frankfurt 2,5
Uni Freiburg 2,1
Uni Hamburg 2,7
Uni Hannover 2,6
Uni Kiel 1,8
Uni Köln 2,1
Uni Mainz 2,9
Uni München 1,9
Uni Münster 1,8
Uni Osnabrück 2,8
Uni Potsdam 2,0

Aufbau und Inhalte des Jurastudiums

Das Jurastudium dauert meist 9 Semester, also 4,5 Jahre, und endet mit dem 1. Staatsexamen. Danach folgen Referendariat und 2. Staatsexamen. Die gesamte juristische Ausbildung gliedert sich wie folgt:

  • Grundstudium (4 Semester)
  • Hauptstudium mit Schwerpunktstudium (5 Semester)
  • 1. Staatsexamen
  • Referendariat (2 Jahre)
  • 2. Staatsexamen

Die jeweiligen Inhalte des Jurastudiums unterscheiden sich je nach Bundesland und zwischen den Prüfungsordnungen der einzelnen Universitäten. Besonders die Möglichkeiten im Schwerpunktstudium weichen voneinander ab.

Grundstudium

Das Grundstudium der Rechtswissenschaften vermittelt die Basiskenntnisse der verschiedenen Rechtsgebiete und dauert meist 4 Semester. Es gliedert sich in diese Inhalte:

  • Bürgerliches Recht
    • Allgemeiner Teil
    • Schuldrecht
  • Öffentliches Recht
    • Staats- und Verfassungsrecht
    • Verwaltungsrecht
  • Strafrecht

Jedes Semester stehen Klausuren und teilweise auch Hausarbeiten an. Das Grundstudium schließt mit einer schriftlichen Zwischenprüfung ab.

Hauptstudium

Im Hauptstudium vertiefst Du die Fächer aus dem Grundstudium. Hinzu kommen weitere Rechtsgebiete, zum Beispiel:

  • Arbeits- und Sozialrecht
  • Erbrecht
  • Familienrecht
  • Sachenrecht

Außerdem besuchst Du je nach Universität Seminare für Schlüsselqualifikationen oder Sprachen. Neben den Pflichtfächern des Hauptstudiums spezialisierst Du Dich im Schwerpunktstudium.
Mögliche Schwerpunktbereiche des Jurastudiums sind:

  • Anwaltsberuf und Notariat
  • Europäisches Recht
  • Kriminalwissenschaften
  • Medienrecht
  • Medizin- und Pharmarecht
  • Umweltrecht
  • Wirtschaft und Wettbewerb

1. Staatsexamen

Der universitäre Teil der juristischen Ausbildung schließt mit dem 1. Staatsexamen ab. Dieses besteht zu 70 % aus der staatlichen Prüfung, welche die Inhalte der 3 großen Rechtsgebiete abfragt: Öffentliches Recht, Privatrecht und Strafrecht. Die restlichen 30 % der Prüfung führen die Universitäten selbst durch. In diesem Teil fragen sie Deinen gewählten Schwerpunktbereich ab. Weil die Universitäten selbst einen Teil der Prüfung übernehmen, kann im engeren Sinne nicht von einem „Staatsexamen“ gesprochen werden. Die offizielle Bezeichnung ist deshalb „Erste juristische Prüfung“.

Referendariat

Das Rechtsreferendariat ist die praktische Ausbildung für Juristen, die offizielle Bezeichnung lautet „Vorbereitungsdienst“. Das Referendariat dauert 2 Jahre und besteht aus mehreren Stationen.
Dies sind die üblichen Stationen im Referendariat:

  • Landgericht oder Amtsgericht
  • Staatsanwaltschaft oder Strafgericht
  • Verwaltungsgericht oder Behörde

Zudem kannst Du im Referendariat eine Station selbst wählen. Diese muss in manchen Bundesländern dem studierten Schwerpunktbereich entsprechen. Die Wahlstation kannst Du außerdem im Ausland absolvieren. Im Referendariat bekommst Du bereits ein Gehalt vom Staat gezahlt, das sich „Unterhaltsbeihilfe“ nennt. Es beträgt circa 800 € brutto monatlich.

2. Staatsexamen

Das 2. Staatsexamen wird nach bundeseinheitlichen Regelungen von den einzelnen Bundesländern durchgeführt. Es besteht aus 7 (im Saarland) bis 11 (in Bayern) Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Beim 2. Staatsexamen liegt der Schwerpunkt stärker auf der aktuellen Rechtsprechung. Mit dem erfolgreichen Abschluss des 2. Staatsexamens bist Du ein „Volljurist“ und kannst als Anwalt, Richter oder Notar tätig werden.

Alternativen zum Jurastudium mit Staatsexamen

Ein Jurastudium kannst Du auch mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) oder Master of Laws (LL.M.) abschließen. Diese Abschlüsse eröffnen Dir zwar nicht den Zugang zum Beruf des Richters oder Anwalts, sind aber dennoch in der freien Wirtschaft angesehen. Außerdem kannst Du Jura mit anderen Fächern kombinieren. Zum Beispiel mit Wirtschaft, Medizin oder Medien. Ein weiterer Vorteil des Bachelor / Master of Laws ist, dass Du den Abschluss auch an einer Fachhochschule und im Fernstudium erreichen kannst. Auch ein Duales Studium ist in Jura möglich. Dann kannst Du Rechtswissenschaften studieren und gleichzeitig eine betriebliche Berufsausbildung absolvieren. Ein Duales Studium ist häufig in der Verwaltung von Städten möglich.
Beliebte rechtswissenschaftliche Studiengänge sind:

Berufsperspektiven und Gehalt nach dem Jurastudium

Dein Erfolg als Jurist hängt maßgeblich von Deinen Examensnoten ab. Juristische Berufe im Staatsdienst kannst Du nur mit einem „Prädikatsexamen“ erreichen. Ein Examen gilt als „mit Prädikat“ abgeschlossen, wenn Du mindestens die Note „vollbefriedigend“ erreichst. Dies schafften 2010 lediglich 10 % der Absolventen.

Absolventen ohne das Prädikat sollten sich nicht nur auf eine Tätigkeit als Volljurist fokussieren, da es in Deutschland bereits sehr viele Anwälte gibt – 1 Anwalt kommt auf 500 Bürger. Auch in der freien Wirtschaft kannst Du als Jurist arbeiten. Zum Beispiel in der Rechtsabteilung, wo Du beratend tätig wirst. Hier findest Du auch mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss interessante Stellen.
In diesen Berufen kannst Du mit einem Staatsexamen tätig werden:

  • Rechtsanwalt
    Rechtsanwälte vertreten Mandanten vor Gericht und klagen dort ihre Rechte ein. Außerdem beraten sie ihre Mandanten über die Erfolgsaussichten ihres Anliegens. Rechtsanwälte spezialisieren sich oft auf ein bestimmtes Rechtsgebiet und sind als Medienanwalt, Strafverteidiger oder Patentanwalt tätig. Du kannst Dich als Anwalt einer Kanzlei anschließen oder Deine eigene Kanzlei gründen.
  • Richter
    Richter genießen in Deutschland ein hohes Ansehen. Sie sind unabhängig von Staat und Verwaltung und urteilen neutral und unparteiisch. Dennoch stehen Richter in einem Dienstverhältnis zum Staat und werden, ähnlich wie Beamte, nach einer Besoldungsordnung bezahlt. Die Auswahlkriterien für das Richteramt sind sehr streng. Du brauchst mindestens ein Prädikatsexamen und in manchen Bundesländern sind zusätzlich Assessment-Center üblich. Nach der Einstellung bist Du zunächst Richter auf Probe. Nach einer gewissen Zeit, spätestens nach 5 Jahren, wirst Du Richter auf Lebenszeit.
  • Staatsanwalt
    Als Staatsanwalt übernimmst Du das Vorverfahren im Strafverfahren. Du prüfst die von der Polizei ermittelten Sachverhalte und entscheidest, ob Anklage erhoben werden kann. Vor Gericht vertrittst Du den Staat und übernimmst die Anklage. Die Voraussetzung für den Beruf des Staatsanwalts ist ein Prädikatsexamen.
  • Notar
    Deine Aufgabe als Notar ist es, Rechtsgeschäfte zu beurkunden und Unterschriften zu beglaubigen. Zum Beispiel beim Kauf von Grundstücken und Häusern, bei Eheverträgen oder dem Aufsetzen eines Testaments. Die Zugangvoraussetzungen für diesen Beruf sind besonders hoch, es werden beste Noten im Prädikatsexamen verlangt.
  • Höherer Verwaltungsbeamter
    Als Jurist im höheren Dienst übernimmst Du leitende Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung, zum Beispiel bei Ministerien oder in einem Bauamt.

Juristen in der freien Wirtschaft

Nach dem Jurastudium kannst Du auch in der freien Wirtschaft tätig werden. Große Unternehmen haben häufig eine eigene Rechtsabteilung oder ein Justiziariat. Dort prüfst Du die Erfolgsaussicht von Streitfällen oder stellst sicher, dass Veröffentlichungen und Produkte den Gesetzen entsprechen.

Bei diesen Arbeitgebern bist Du mit einem Jurastudium gefragt:

  • Behörden
  • Großkonzerne
  • Hochschulen
  • Industrie
  • Medienunternehmen
  • Verlage
  • Versicherungen

Dein Gehalt als Jurist

Als Jurist kannst Du mit Deiner eigenen Kanzlei selbstständig werden. Deine Leistungen als Anwalt oder Notar rechnest Du über eine festgelegte Gebührenordnung ab. Du kannst aber auch in einer Kanzlei angestellt sein.

Dieses Gehalt verdienen angestellte Juristen durchschnittlich in Deutschland:

  Männer Frauen Durchschnitt
Gehalt 3.300 € 2.900 € 3.100 €

Der Lohn von Juristen im Staatsdienst richtet sich nach einer Besoldungsordnung. Diese unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Die Höhe der Besoldung richtet sich auch nach Deinem Familienstand und Deinem Alter.

Diese Grundbesoldungen können Dir als Orientierung dienen.

Berufe im Staatsdienst Niedrigste monatliche Besoldung Höchste monatliche Besoldung
Richter und Staatsanwälte 3.340 € 11.170 €
Verwaltungsbeamter 2.880 € 4.600 €

Zusammenfassung: 5 gute Gründe für ein Jurastudium

  • Mit dem Jurastudium stehen Dir unterschiedliche Berufszweige offen.
  • Richter, Rechtsanwälte und Staatsanwälte nehmen wichtige gesellschaftliche Funktionen wahr.
  • Juristen genießen hohes Ansehen, Deine Arbeit wird geschätzt.
  • Im Staatsdienst bist Du finanziell abgesichert – teilweise sogar auf Lebenszeit.
  • In der freien Wirtschaft findest Du viele alternative Tätigkeitsfelder.